4 Gründe gegen Fahrverbote in Ludwigsburg

Ein Gastbeitrag von Oliver Martin für Ludwigsburg24.com

Oliver MartinOliver Martin an der Luft-Messstelle in der Schloßstraße in Ludwigsburg

Im Zusammenhang mit wiederkehrenden Grenzwertüberschreitungen in Städten und Klagen vor Gerichten kommen immer wieder Fahrverbote, auch für Ludwigsburg, ins Gespräch.

Warum ich Fahrverbote generell für keine gute Lösung halte?

Fahrverbote sind die vermeintlich einfache Lösung, weil sie weder Kreativität noch besonderes Engagement der Handelnden verlangen. Aber Fahrverbote haben nur eine geringe Akzeptanz in der Bevölkerung. Fehlendes Verständnis für Maßnahmen führt regelmäßig dazu, sein eigenes Verhalten nicht zu überdenken und schon gar nicht zu verändern.

Denken Sie nur an die Akzeptanz von Verboten die Firmen Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber aussprechen oder Eltern gegenüber Ihren Kindern.

Aufklären, Verständnis gewinnen, die Menschen mitnehmen – das muss der Anspruch guter Erziehung und guter Politik gleichermaßen sein. Damit erreicht man Ziele nachhaltig und gewinnt die Bereitschaft der Menschen umzudenken und mitzumachen.

Ganz konkret sehe ich die folgenden Gegebenheiten, die sich nicht ignorieren lassen:

1. Wir Menschen haben ein Mobilitätsbedürfnis

Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, oder privat in der Freizeit.

Wir Menschen wollen mobil sein. Dafür wählen wir das für uns passende Mobilitätsangebot aus.

Da jede(r) von uns andere persönliche Voraussetzungen mitbringt und unterschiedliche Anforderungen an die eigene Mobilität hat, gibt es nicht „die eine“ Mobilitätslösung für alle.

Jemand der auf das Auto angewiesen ist oder dieses aus bequemlichkeitsgründen bevorzugt, wird sich für eine Autofahrt entscheiden. Liegt auf der geplanten Fahrtstrecke ein Fahrverbot, wird nicht etwa weniger gefahren oder ein anderes Verkehrsmittel genutzt, sondern eher ein Umweg in Kauf genommen, um das Gebiet des Fahrverbotes zu umfahren. Im Ergebnis verschlechtern wir hierdurch die Ökobilanz der Fahrt und verlagern den Verkehr weg von Durchgangsstraßen hin zu Nebenstrecken oder gar in Wohngebiete.

2. Fahrverbote lassen sich nicht kontrollieren

Es gibt nach wie vor kein schlüssiges Konzept, wie ein ausgesprochenes Fahrverbot auch tatsächlich überwacht werden könnte. Was nutzt also ein Fahrverbot, wenn keine geeignete und verhältnismäßige Kontrollmöglichkeit gegeben ist. Eine lückenlose, womöglich automatisierter Verkehrsüberwachung erachte ich als völlig unangemessen. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte wären hierdurch viel zu stark eingeschränkt.

3. Fahrverbote sind unsozial

Nicht die Fahrerinnen und Fahrer neuer, meist großer und teurer Autos sind von Fahrverboten betroffen, sondern gerade diejenigen, die auf günstigere, ältere Fahrzeuge zurückgreifen müssen.

Wollen wir damit eine Zwei-Klassen-Mobilitätsgesellschaft schaffen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft insgesamt weiter schwächen? – Ich möchte das nicht!

4. Fahrverbote behindern moderne Verkehrskonzepte

Ist ein Fahrverbot erst einmal wirksam und werden die geforderten Grenzwerte dauerhaft unterschritten, so sinkt der Ansporn, sich konkret mit intelligenten Verkehrskonzepten zu beschäftigen.

Der Ausbau der ÖPNV kommt ins Stocken und Anstrengungen für moderne, zukunftsweisende Verkehrsleitsysteme werden erst gar nicht unternommen.

Schon heute könnten wir durch intelligentere Ampelschaltungen einen deutlich besseren Verkehrsfluss mit entsprechend weniger „Stop and Go“ und weniger Abgasen erreichen. Gleiches gilt für Baustellen an Hauptstraßen die über viele Monate zu Staus und damit zu einer unnötig erhöhten Umweltbelastung führen. Eine deutliche Verkürzung der Baumaßnahmen im Schichtbetrieb birgt hier ein enormes Potential.

Hier müssen wir ansetzen, wenn wir Nachhaltigkeit erreichen und Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnen wollen.

Durch ein Bündel von intelligenten Maßnahmen eine kontinuierliche Verbesserung der Verkehrskonzepte erreichen!
Oliver Martin

Ich setze mich dafür ein, nicht die vermeintlich „einfache Lösung Fahrverbot“ zu wählen, sondern sich umgehend daran zu machen durch ein Bündel von intelligenten Maßnahmen eine kontinuierliche Verbesserung der Verkehrskonzepte zu erreichen. Das ist eine Aufgabe, die nie enden wird, weil sie sich immer wieder aufs Neue an die Menschen und an Ihre sich verändernden Mobilitätsanforderungen anpassen müssen wird.

Wir sollten trotzdem die Energie und den Mut aufbringen, noch heute damit zu starten.

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