Döring: „Den Staat mehr vom Menschen her denken!“

(Hemmingen) Am Abend des 6. Februar 2008 fand im bis auf den letzten Platz belegten, und das trotz Fußballländerspiels, Vereinsnebenzimmer der Gemeinschaftshalle in Hemmingen das 25. traditionelle Heringsessen, dem politischen Aschermittwoch des FDP-Ortsverbands Strohgäu, mit Dr. Walter Döring, Wirtschaftsminister a.D., statt. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Politgrößen aus der Region, darunter Dietmar Bachmann MdL, Dr. Wolfgang Weng, die Bürgermeister Volker Godel und Werner Nafz sowie der erste Beigeordnete der Stadt Gerlingen Wolfgang Steng. Nach Rednern wie Michael Theurer 2005 – Oberbürgermeister von Horb, Dirk Niebel 2006 – Generalsekretär der FDP und Gabriela Büssemaker 2007 – Oberbürgermeisterin von Ettlingen und 21 weiteren Politikgrößen davor, war Dr. Walter Döring, der frühere FDP-Landesvorsitzende und Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, bereits der 25. Redner in dieser Reihe.

Der Begrüßung und einem Reigen durch 25 Jahre FDP in Hemmingen durch Rolf Hack, dem Vorsitzenden des Kommunalpolitischen Arbeitskreises der dortigen FDP, folgte ein mittlerweile sich seit gut drei Jahren eher weniger im Rampenlicht der Politik stehender Walter Döring. Rhetorisch perfekt, fundiert, mitreißend und vorallem zum Aschermittwoch unterhaltsam mit der Politik abrechnend seine Rede, so, als dauerte seine politische Abstinenz noch keine 3 Sekunden.

Die Frage, ob ihm die Politik nicht fehle, mit den Worten „Die Politik war meine Leidenschaft“ selbst beantwortend, hob er an, Kritik an der Großen Koalition in Berlin zu üben. Es sei kein roter Faden in deren Tun erkennbar und es gäbe dabei doch wichtige Themen ohne Ende. Aber stattdessen endlose Diskussionen über etwa den Mindestlohn. Wenn der Arbeitgeber den angedachten Mindestlohn halt nicht erwirtschaften könne, wie das in weiten Teilen Ostdeutschlands der Fall ist, dann wird der Arbeitnehmer halt arbeitslos, weil der Arbeitgeber halt dann pleite ist. Hunderttausende von Arbeitsplätzen stünden in den neuen Bundesländern auf dem Spiel. Auch mit der zum Schreckgespenst hochstilisierten Globalisierung räumte Döring auf: „Baden-Württemberg profitiert!“ 40% unseres Bruttosozialprodukts stammen aus Im- und Export! Japan 20%, USA gerade mal 15%.

Die USA praktizierten im Moment bei ihren Vorwahlen gelebte Demokratie, so Döring weiter. Es gäbe dort ein riesiges Interesse an der Politik. Und bei uns in Deutschland? 36% Nichtwähler bei den Landtagswahlen in Hessen und gar 43 in Niedersachsen. Rüttgers bei Nokia, Schröder bei Holtzmann, mit dicken Geldbeuteln und großen Versprechen den Arbeitnehmern gegenüber, Arbeitsplätze trotzdem weg. Wenn Politiker ständig Versprechungen machten, die gar nicht zu halten sind, dann könnte man meinen, dass die große Gruppe von Nichtwählern nicht von ungefähr kommt. Auch prangerte Döring die Praxis der Subventionierung an: „Als Bosch in Abstatt gebaut hat, da wollten die keine Schubkarren voll Geld, die wollten eine Infrastrukturverbesserung!“ Das Geld, das für Subventionen verpulvert werde, sollte in „Bildung, Bildung, Bildung“ investiert werden. Das sei unsere Zukunftssicherung. Genau wie die Nullverschuldung, die noch von Ministerpräsident Teufel in einem Gespräch im Jahre 1998 für vollkommen undenkbar gehalten wurde, mittlerweile in Baden-Württemberg möglich ist. Und der Mittelstand, die Familienbetriebe, die sind doch die Triebfeder unseres wirtschaftlichen Erfolgs, die sind die Mitte. Diese müssten wieder ins Blickfeld gerückt werden, die, die den Staat tragen. „Den Staat mehr vom Menschen her denken!“ mahnte er. Und in Berlin „hoch die Tassen rund um die Uhr und bezahlt wird das aus dem Länderfinanzausgleich. Bei uns werden zuerst Schrauben verkauft und erst dann kommt die Kunst!“

Wir bedanken uns bei Dr. Walter Döring für seinen unvergleichlich humoristischen Vortrag zum politischen Aschermittwoch, dem es wieder einmal gelang, Politik in für alle verständliche Worte zu fassen, einen ganzen Saal mitzureißen.
Berichterstattung in der LKZ
Berichterstattung in der SZ

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